Debattierformate / Debating formats

Es gibt Debattierformate mit unterschiedlichen Regeln und Zweckwidmung, aber die Stile der parlamentarischen Debatte zeichnen sich im Besonderen dadurch aus, dass es Teams sind, die gegeneinander antreten. Die zwei Seiten vertreten einander ausschließende Positionen: Für („Regierung“) und Wider („Opposition“) im Sinne der Themenfrage. Die einzelnen Teammitglieder dürfen sich untereinander nicht widersprechen (Dolchstoßverbot).
Im Debattierklub Wien kommen überwiegend zwei Stile zur Anwendung:

There are debating formats of different rules and different purposes, among which parliamentary formats feature debaters speaking in teams with and against each other. The two sides speak for mutually exclusive causes: In favour (“Proposition” or “Government”) of and against (“Opposition”) the motion in question. Speakers on the same side must not contradict (“knife”) each other.
Debattierklub Wien debates in especially two formats:
1) Offene Parlamentarische Debatte (OPD), im deutschen Sprachraum am weitesten verbreitet. / Open Parliamentary Debate (OPD), much used on the German-speaking circuit.
2) British Parliamentary Style (BPS), das bei internationalen Turnieren übliche Format. / British Parliamentary Style (BPS) is the format used in most international tournaments such as the European and World Championship.

 

OFFENE PARLAMENTARISCHE DEBATTE

Offene Parlamentarische Debatte (OPD) Layout

Offene Parlamentarische Debatte (OPD) Layout

Es stehen sich zwei Teams aus je drei Rednern gegenüber, die Regierung und die Opposition. Jeder der Fraktionsredner hat 7 Minuten Redezeit. Die Themen sind üblicherweise als Fragen gestellt, etwa “Soll Zeitungen den für sie tätigen Journalisten gehören?” Der erste Redner der Regierung (1) trägt einen auf das Thema zugeschnittenen Antrag vor, welchen er erklärt und bereits mit einem starken Argument rechtfertigt. Dem ersten Redner der Opposition (2) obliegt es, diesen Antrag zu kritisieren und Argumente dagegen vorzubringen.
Weitere Argumente kommen von den Ergänzungsrednern [(3) & (4)]. Besonders wichtig ist es, innerhalb der Rede auf die Argumente des Vorredners zu antworten und diese nach Möglichkeit zu widerlegen.
Eine Besonderheit der OPD ist, dass nach dem Ergänzungsredner der Opposition (4) drei freie Redner zu Wort kommen (5-7). Sie erfahren das Thema erst zu Beginn der Debatte, während die Fraktionsredner 15 Minuten Vorbereitungszeit hatten. Die freien Redner müssen sich während der Debatte in kurzer Zeit eine Meinung bilden, sich für eine Seite entscheiden und dies in einer verkürzten Rede (3:30 Minuten) erläutern. Ihre Aufgabe ist es insbesondere, neue Aspekte in die Debatte einzubringen.
Nach jeder freien Rede erhält die gerade attackierte Seite 60 Sekunden Zeit, um darauf zu antworten. Die beiden Schlussredner der Teams treten in umgekehrter Reihenfolge auf [(8) & (9)]. Der Regierung, die durch die Ausarbeitung des Antrags während der Vorbereitungszeit zusätzlich herausgefordert wurde, erhält zum Ausgleich das Recht aufs letzte Wort.

Während der Reden können jederzeit Zwischenrufe eingeworfen werden. Diese sollen die Debatte beleben und auf argumentative Schwächen des Redners hinweisen.
Die jeweils erste und letzte Minute einer Rede ist geschützt, in dieser Zeit dürfen keine Zwischenfragen gestellt werden. Der Beginn und das Ende der ungeschützten Redezeit werden durch einen Hammerschlag angezeigt. Zwischenfragen dürfen nicht länger als 15 Sekunden dauern und werden von der gegenüberliegenden Fraktion oder einem freien Redner direkt an die gerade redende Person gestellt. Der Redner hat die Möglichkeit, innerhalb von 30 Sekunden die Zwischenfrage anzunehmen oder abzulehnen.

Alle Reden werden von mehreren Juroren nach den Kriterien Sprachkraft, Auftreten, Kontaktfähigkeit, Sachverstand und Urteilskraft anhand eines Punkteystems beurteilt. Bei den Teams werden zusätzlich noch Strategie, Interaktion und Überzeugungskraft bewertet. Anhand des Punktedurchschnitts wird ein Siegerteam ermittelt.

Bei einem Turnier werden Ranglisten sowohl für Teams als auch Einzelredner geführt. Die im Finale antretenden Teams konnten sich nach den Vorrunden ganz oben platzieren und sich in den KO-Runden gegen Ihre Opponenten durchsetzen. Zusätzlich kommen jeweils die drei besten Einzelredner als freie Redner in die nächste Runde.

Weitere Informationen findet Ihr auf Wikipedia unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Offene_Parlamentarische_Debatte

BRITISH PARLAMENTARY STYLE – DEUTSCH

British Parliamentary System (BPS) Layout

British Parliamentary System (BPS) Layout

British Parliamentary Style (BPS) ist international am weitesten verbreitet. Es wird überwiegend auf Englisch ausgetragen und ist das Format der Europa- und Weltmeisterschaften.

Auf jeder Seite reden zwei Teams mit je zwei Rednern gegeneinander: Die eröffnende und schließende Regierung (Opening und Closing Government oder Opening und Closing Proposition sowie Opening und Closing Opposition). Jeder Redner hat 7 Minuten Redezeit. Alle Teams bereiten sich vor der Debatte 15 Minuten lang getrennt voneinander vor.

Die erste Rednerin der Regierung (Prime Minister) (1) erklärt und definiert die Themenfrage und legt die Vorgehensweise dar, mit welchem Mechanismus ihr Team ein Problem löst oder mit welchem Prinzip ihre Seite in die Debatte eintritt, und begründet ihre Vorschlag oder ihre Haltung mit Argumenten.
Der erste Redner der Opposition (Leader of the Opposition) (2) widerlegt wie alle darauf folgenden Redner im ersten Teil seiner Rede die Argumente seines Vorredners (Rebuttal). Er legt dann das für die Opposition grundlegende Prinzip dar.
Der zweite Redner der Regierung (Deputy Prime Minister) (3) und der zweite Oppositionsredner (Deputy Leader of the Opposition) (4) verstärkern und erweitern die Argumentationslinie ihres Teams.

Die zweite Hälfte der Debatte wird vom dritten Redner der Regierung (Member of the Government) (5) eröffnet, welcher nun eine “Extension” (Erweiterung) liefern muss. Die Extension soll ein in der Debatte neues Argument sein, das die Debatte auf ein neues Niveau hebt und den Blickwinkel auf sie verändert.
Auch der dritte Redner der Opposition (Member of the Opposition) (6) liefert eine solche Extension.
Den beiden Schlussrednern (Whip Speaker) (6 & 7) obliegt es nun, die Debatte zusammenzufassen. Sie bringen keine neuen Argumente ein, sondern rufen die Argumente Ihrer Seite in Erinnerung und legen dabei den Schwerpunkt auf die Extension ihres Teampartners. In ihrer Reden sollen sie nicht die Debatte nacherzählen, sondern die jeweiligen Argumente nach ihrer Relevanz gewichten und zeigen, an welchen Konfliktpunkten (Clashes) sich die Teams reiben und warum das für die eigene Seite spricht.

Es gibt für alle Redner während der ungeschützten Redezeit (2.-6. Minute) die Möglichkeit, der gerade sprechenden Rednerin von der Gegenseite sogenannte “Points of Information” (POI) zu stellen. Es handelt sich dabei um eine kurz formulierte Frage oder Feststellung, welche der Rednerin angeboten wird. Diese hat die Möglichkeit, POIs anzunehmen oder abzulehnen. Sie sollte jedoch pro Rede mindestens eine POI annehmen.

Jede Debatte wird von mehreren Juroren verfolgt und bewertet. Erstplatzierter wird das Team, das die Juroren davon überzeugen können, dass ihre eigenen Argumente und damit ihre Position in der Debatte die beste im Sinne der Motion ist. Streiten sich etwa alle vier Teams hauptsächlich um die demokratiepolitische Auswirkung einer Motion (Clash-Point: Auswirkung auf die Demokratie), könnte ein Team von der Proposition-Seite mit ausgereiftesten Analyse die Juroren davon überzeugen, wie die Motion die demokratischen Prozesse verbessern wird, und in der Widerlegung (Rebuttal), wie die Argumente ihrer Gegner entweder nicht richtig stimmen oder weniger wichtig sind. In einem Turnier erhält das in der Debatte erstplatzierte Team drei, das zweitplatzierte zwei, das dritte einen und das vierte keinen Punkt. Bei Turnieren werden nach mehreren Vorrunden die Teampunkte addiert. Die besten Teams kommen dann in die KO-Runden (“Break”) beziehungsweise ins Finale.

Weitere Informationen findet Ihr auf Wikipedia unter: http://de.wikipedia.org/wiki/British_Parliamentary_Style

BRITISH PARLIAMENTARY STYLE – ENGLISH

British Parliamentary Style (BPS) is the most widespread format at international debating tournaments. It is mostly exercised in English and serves as the format for the European and World Championships.

Each side features two teams with again two speakers each: First or Opening Government and Second or Closing Government and on the other side First or Opening Opposition and Second or Closing Opposition. Each speaker is given 7 minutes speaking time. All teams prepare for the debate for 15 minutes seperated from each other.

The first speaker of the government side (Prime Minister) (1) explains and defines the question of the debate (“motion”) and exposes how her team introduces a mechanism to solve a particular problem or with which principle her team enters the debate, and then substantiates her proposal with arguments.
The first speaker of the opposition side (Leader of the Opposition) (2) is required to refute (rebutt) the previous speaker, as are all following speakers respectively. Also, the Leader of the Opposition explains substantive arguments for why it is better to stand against what is proposed with the motion.
The second speakers of each team (Deputy Prime Minister) (3) & (Deputy Leader of the Opposition) (4) rebuild and extend their team’s line of argumentation.

The second half of the debate is opened by the third speaker on the government side (Member of the Government) (5) who is expected to deliver an “extension” to the previous speeches on behalf of the Closing Government team. An extension should be a new argument for the debate, which brings the debate on a different level and changes the view with which the motion is seen. The third speaker for the opposition (Member of the Opposition) (6) is then requird to follow likewise for his side.
The two summary or “whip” speakers’ (6&7) job is to sum up the debate. There are not allowed to bring new argument, instead they remind the judges of the debate as it happened in the light of their own team partner’s extension. They are not expected to retell what was said, but to balance all teams’ arguments and show, on which points of clash the teams are with each other and why their team won that contention.

During the so-called “unprotected” time of a speech (2nd-6th minute) all speakers of the respective other side are given the opportunity to offer so-called “Points of Information” (POI) to the speaker holding the floor. POIs can be formulated as a short question or a statement. The speaker holding the floor may take such POIs or decline them, but it expected to accept at least one during her speech.

Each debate is watched, taken to note and assessed by several adjudicators (judges). That team comes first, which can persuade the judges, that its own arguments und thus their position in the debate is the best in terms of the motion. In case for example all four teams mainly argue about the effects on democracy of a motion (clash point: effect on democracy), that team from the government side could convince the judges by its refined analysis that accepting the motion will in fact bring about improvements for democratic processes, and in rebuttal of their opponents show that these arguments are either not fully true or not as relevant as their own ones. At competitions, the team placed first gets three points, while the team placed second gets two, the third team one and the fourth team no point. In the course of tournaments, these points are added after several preliminary rounds. The best teams continue to the knock-out rounds (“break”) or directly to the final debate.

More information on BPS is available on Wikipedia: http://en.wikipedia.org/wiki/British_Parliamentary_Style