Debattierformate / Debating formats

Es gibt Debattierformate mit unterschiedlichen Regeln und Zweckwidmung, aber die Stile der parlamentarischen Debatte zeichnen sich im Besonderen dadurch aus, dass es Teams sind, die gegeneinander antreten. Die zwei Seiten vertreten einander ausschließende Positionen: Für („Regierung“) und Wider („Opposition“) im Sinne der Themenfrage. Die einzelnen Teammitglieder dürfen sich untereinander nicht widersprechen (Dolchstoßverbot).
Im Debattierklub Wien kommen überwiegend zwei Stile zur Anwendung:
1) Offene Parlamentarische Debatte (OPD), im deutschen Sprachraum am weitesten verbreitet.
2) British Parliamentary Style (BPS), das bei internationalen Turnieren übliche Format.

OFFENE PARLAMENTARISCHE DEBATTE

Offene Parlamentarische Debatte (OPD) Layout

Offene Parlamentarische Debatte (OPD) Layout

Es stehen sich zwei Teams aus je drei Rednern gegenüber, die Regierung und die Opposition. Jeder der Fraktionsredner hat 7 Minuten Redezeit. Die Themen sind üblicherweise als Fragen gestellt, etwa „Soll Zeitungen den für sie tätigen Journalisten gehören?“ Der erste Redner der Regierung (1) trägt einen auf das Thema zugeschnittenen Antrag vor, welchen er erklärt und bereits mit einem starken Argument rechtfertigt. Dem ersten Redner der Opposition (2) obliegt es, diesen Antrag zu kritisieren und Argumente dagegen vorzubringen.
Weitere Argumente kommen von den Ergänzungsrednern [(3) & (4)]. Besonders wichtig ist es, innerhalb der Rede auf die Argumente des Vorredners zu antworten und diese nach Möglichkeit zu widerlegen.
Eine Besonderheit der OPD ist, dass nach dem Ergänzungsredner der Opposition (4) drei freie Redner zu Wort kommen (5-7). Sie erfahren das Thema erst zu Beginn der Debatte, während die Fraktionsredner 15 Minuten Vorbereitungszeit hatten. Die freien Redner müssen sich während der Debatte in kurzer Zeit eine Meinung bilden, sich für eine Seite entscheiden und dies in einer verkürzten Rede (3:30 Minuten) erläutern. Ihre Aufgabe ist es insbesondere, neue Aspekte in die Debatte einzubringen.
Nach jeder freien Rede erhält die gerade attackierte Seite 60 Sekunden Zeit, um darauf zu antworten. Die beiden Schlussredner der Teams treten in umgekehrter Reihenfolge auf [(8) & (9)]. Der Regierung, die durch die Ausarbeitung des Antrags während der Vorbereitungszeit zusätzlich herausgefordert wurde, erhält zum Ausgleich das Recht aufs letzte Wort.

Während der Reden können jederzeit Zwischenrufe eingeworfen werden. Diese sollen die Debatte beleben und auf argumentative Schwächen des Redners hinweisen.
Die jeweils erste und letzte Minute einer Rede ist geschützt, in dieser Zeit dürfen keine Zwischenfragen gestellt werden. Der Beginn und das Ende der ungeschützten Redezeit werden durch einen Hammerschlag angezeigt. Zwischenfragen dürfen nicht länger als 15 Sekunden dauern und werden von der gegenüberliegenden Fraktion oder einem freien Redner direkt an die gerade redende Person gestellt. Der Redner hat die Möglichkeit, innerhalb von 30 Sekunden die Zwischenfrage anzunehmen oder abzulehnen.

Alle Reden werden von mehreren Juroren nach den Kriterien Sprachkraft, Auftreten, Kontaktfähigkeit, Sachverstand und Urteilskraft anhand eines Punkteystems beurteilt. Bei den Teams werden zusätzlich noch Strategie, Interaktion und Überzeugungskraft bewertet. Anhand des Punktedurchschnitts wird ein Siegerteam ermittelt.

Bei einem Turnier werden Ranglisten sowohl für Teams als auch Einzelredner geführt. Die im Finale antretenden Teams konnten sich nach den Vorrunden ganz oben platzieren und sich in den KO-Runden gegen Ihre Opponenten durchsetzen. Zusätzlich kommen jeweils die drei besten Einzelredner als freie Redner in die nächste Runde.

Weitere Informationen findet Ihr auf Wikipedia unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Offene_Parlamentarische_Debatte

BRITISH PARLAMENTARY STYLE

British Parliamentary System (BPS) Layout

British Parliamentary System (BPS) Layout

British Parliamentary Style (BPS) ist international am weitesten verbreitet. Es wird überwiegend auf Englisch ausgetragen und ist das Format der Europa- und Weltmeisterschaften.

Auf jeder Seite reden zwei Teams mit je zwei Rednern gegeneinander: Die eröffnende und schließende Regierung (Opening und Closing Government oder Opening und Closing Proposition sowie Opening und Closing Opposition). Jeder Redner hat 7 Minuten Redezeit. Alle Teams bereiten sich vor der Debatte 15 Minuten lang getrennt voneinander vor.

Die erste Rednerin der Regierung (Prime Minister) (1) erklärt und definiert die Themenfrage und legt die Vorgehensweise dar, mit welchem Mechanismus ihr Team ein Problem löst oder mit welchem Prinzip ihre Seite in die Debatte eintritt, und begründet ihre Vorschlag oder ihre Haltung mit Argumenten.
Der erste Redner der Opposition (Leader of the Opposition) (2) widerlegt wie alle darauf folgenden Redner im ersten Teil seiner Rede die Argumente seines Vorredners (Rebuttal). Er legt dann das für die Opposition grundlegende Prinzip dar.
Der zweite Redner der Regierung (Deputy Prime Minister) (3) und der zweite Oppositionsredner (Deputy Leader of the Opposition) (4) verstärkern und erweitern die Argumentationslinie ihres Teams.

Die zweite Hälfte der Debatte wird vom dritten Redner der Regierung (Member of the Government) (5) eröffnet, welcher nun eine „Extension“ (Erweiterung) liefern muss. Die Extension soll ein in der Debatte neues Argument sein, das die Debatte auf ein neues Niveau hebt und den Blickwinkel auf sie verändert.
Auch der dritte Redner der Opposition (Member of the Opposition) (6) liefert eine solche Extension.
Den beiden Schlussrednern (Whip Speaker) (6 & 7) obliegt es nun, die Debatte zusammenzufassen. Sie bringen keine neuen Argumente ein, sondern rufen die Argumente Ihrer Seite in Erinnerung und legen dabei den Schwerpunkt auf die Extension ihres Teampartners. In ihrer Reden sollen sie nicht die Debatte nacherzählen, sondern die jeweiligen Argumente nach ihrer Relevanz gewichten und zeigen, an welchen Konfliktpunkten (Clashes) sich die Teams reiben und warum das für die eigene Seite spricht.

Es gibt für alle Redner während der ungeschützten Redezeit (2.-6. Minute) die Möglichkeit, der gerade sprechenden Rednerin von der Gegenseite sogenannte „Points of Information“ (POI) zu stellen. Es handelt sich dabei um eine kurz formulierte Frage oder Feststellung, welche der Rednerin angeboten wird. Diese hat die Möglichkeit, POIs anzunehmen oder abzulehnen. Sie sollte jedoch pro Rede mindestens eine POI annehmen.

Jede Debatte wird von mehreren Juroren verfolgt und bewertet. Erstplatzierter wird das Team, das die Juroren davon überzeugen können, dass ihre eigenen Argumente und damit ihre Position in der Debatte die beste im Sinne der Motion ist. Streiten sich etwa alle vier Teams hauptsächlich um die demokratiepolitische Auswirkung einer Motion (Clash-Point: Auswirkung auf die Demokratie), könnte ein Team von der Proposition-Seite mit ausgereiftesten Analyse die Juroren davon überzeugen, wie die Motion die demokratischen Prozesse verbessern wird, und in der Widerlegung (Rebuttal), wie die Argumente ihrer Gegner entweder nicht richtig stimmen oder weniger wichtig sind. In einem Turnier erhält das in der Debatte erstplatzierte Team drei, das zweitplatzierte zwei, das dritte einen und das vierte keinen Punkt. Bei Turnieren werden nach mehreren Vorrunden die Teampunkte addiert. Die besten Teams kommen dann in die KO-Runden („Break“) beziehungsweise ins Finale.

Weitere Informationen findet Ihr auf Wikipedia unter: http://de.wikipedia.org/wiki/British_Parliamentary_Style