Der 7. Baker McKenzie Debate Club: „Erst eine schwierige Situation ist eine gute!“

Debattieren findet sich in keinem universitären Lehrplan. Längst vergangen sind die Zeiten, da Studenten aus dem Stegreif argumentieren können mussten, wie viele Engel auf einer Messerspitze Platz finden könnten. Im Anwaltsberuf dagegen ist diese Kunst, Argumente geistesgegenwärtig zu entwickeln und geschliffen vorzutragen, immer noch gefragt. Aus diesem Grund lädt die Anwaltskanzlei Baker McKenzie jährlich Studentinnen und Studenten der Fächer Rechtswissenschaften und Wirtschaftsrecht zu einem Debattierturnier ein. Der heurige Baker McKenzie Debate Club war bereits die siebte Ausgabe und fand am 22. März 2018 statt.

Debattieren will gelernt sein

Bei diesem Debattierturnier traten Teams aus je drei jungen Leuten dazu an, um eine Streitfrage positiv oder negativ zu beantworten, die ihnen erst kurz zuvor mitgeteilt wurde. Der Unterschied zu einem gewöhnlichen Wettkampf? Bei diesem hatten die Teilnehmer vorher selbst noch nie debattiert! Der Debattierklub Wien unterstützte die Veranstaltung daher mit einer Regeleinführung und einer erfahrenen Jury. Diese demonstrierte den Wettstreit der Argumente zu Beginn in einer Schaudebatte zur folgenden Frage: „Soll das Begnadigungsrecht abgeschafft werden?“ (In Österreich übt dieses übrigens der Bundespräsident auf Vorschlag der Bundesregierung aus.)

Mit juristischen Streitfragen in medias res

Hernach waren die 15 Studentinnen und Studenten selbst an der Reihe, das Thema „Sollen gewöhnliche Polizeistreifen nur mehr mit nicht-tödlichen Waffen ausgestattet werden?“ in der ersten Runde zu debattieren. Ihre Teampartner und ihre Rolle, dafür oder dagegen zu argumentieren, wies ihnen das Los zu.

Von niemandem wurde erwartet, im ersten eigenen Redebeitrag zu brillieren wie Cicero. Hatte doch der antike römische Philosoph und Meisterredner selbst die Maxime „Reden lernt man durch Reden“ formuliert. Und nach dieser ersten Rederunde gab es die Gelegenheit, sich von der erfahrenen Jury Ratschläge für die nächste Runde zu holen: Wie verbinde ich meine Argumente? Was hätte ich auf die Gegenseite noch antworten können? Wie sollen wir uns als Team vorbereiten?

In der zweiten Runde wartete ein ungleich schwereres, juristisch komplexeres Thema: „Soll § 188 StGB (Herabwürdigung religiöser Lehren) ersatzlos aufgehoben werden?“ Hier stand die Kunst auf der Probe, die Erfahrungen aus der ersten Runde in knapper Zeit zu verinnerlichen, und durch Reden reden zu lernen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am 7. Baker McKenzie Debate Club.

Das große Finale

Bloß Dezimalstellen in den Punkterängen entschieden über den Einzug in die Finalrunde, die mit einem besonders aktuellen Thema aufwartete: „Sollen Bürgerinnen und Bürger ein Recht auf Vergessen-Werden gegenüber Behörden und Unternehmen haben?“ Drei Beiträge stachen daraus besonders hervor: Durch ihre tiefgründige Analyse, durch die Freude am Aufgreifen der Argumente der Gegenseite oder durch ihre präzise Zusammenfassung der Debatte.

Die Argumentationstalente von morgen

Die Finaljury war nun vor die schwierige Aufgabe gestellt, die beste Rede zu küren.

In seiner Erläuterung der Juryentscheidung erklärte DDr. Alexander Petsche, Partner bei Baker McKenzie, warum im Anwaltsberuf erst eine schwierige Situation eine gute sei. Wären sich alle Beteiligten über eine Frage einig, wären alle Argumente völlig offensichtlich, dann wäre die Frage gar keine Streitfrage. Weder eine Debatte noch anwaltlicher Beistand wären dann notwendig. Eine gute Anwältin oder ein guter Anwalt hingegen würden sich in einer Situation beweisen, die gemeinhin als hoffnungslos beurteilt werden würde. In einer aussichtslos erscheinenden Lage Argumente zu entwickeln, die zuvor niemand erkannte, wäre gleichzusetzen mit der Fähigkeit, mitten in einem Schneesturm zu sagen: „Heute ist für mich Sonnenschein!“ Die Siegerin hatte genau das geschafft: Sie nahm aus einer schwierigen Ausgangslage heraus die Argumente der Gegenseite ernst und baute damit eine Verbindung zum gegnerischen Team auf. Erst mit ihren wertschätzenden Kontrapunkten ermöglichte sie es der Jury, einen Vergleich zwischen den von beiden Seiten dargebotenen Positionen zu ziehen. Diese Wertschätzung wie auch ihre argumentative Kampfesfreude machten Barbara Neuwirth zur Siegerin des Baker McKenzie Debate Clubs. Wir gratulieren herzlich! Zum zweiten Platz gratulieren wir vielmals Cornelia Faunie, zum dritten Platz Gabriel Paminger!

Die Debatten waren damit vorbei, das Reden noch nicht: Baker McKenzie lud zum Empfang bei Brot und Wein ein, und selbst hier baten die Teilnehmer noch um Verbesserungsvorschläge für die nächsten Debatten, die sie in ihrem Studium oder Beruf führen würden. Karrieremöglichkeiten in der Kanzlei wurden ebenso besprochen wie die Möglichkeit, an weiteren Debattiertrainings im Debattierklub Wien teilzunehmen.

DDr. Alexander Petsche, die Siegerin Barbara Neuwirth, Ingo Bandhauer; (v.l.n.r.)

DDr. Alexander Petsche, die Zweitplatzierte Cornelia Faunie, Ingo Bandhauer; (v.l.n.r.)

DDr. Alexander Petsche, der Drittplatzierte Gabriel Paminger, Ingo Bandhauer; (v.l.n.r.)

Danksagung

Der Debattierklub Wien dankt Baker McKenzie in Person von Herrn DDr. Petsche und Frau Claudia Schweda-Mahrer von Herzen für die langjährige Partnerschaft! Ebenso danken wir Herrn Florian Unterberger und Herrn Florian Ettmeyer für die Mithilfe in der Organisation und der Jury. Als zweiter Teil unserer Kooperation wurde im Mai 2018 mit Unterstützung von Baker McKenzie das internationale Hochschuldebattierturnier „Vienna Intervarsity 2018“ (VIV18) mit 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus 18 Ländern ausgetragen.

 

Die Themen des 7. Baker McKenzie Debate Clubs am 22.3.2018:

Schaudebatte: Soll das Begnadigungsrecht abgeschafft werden? (Info: Das Begnadigungsrecht übt in Österreich der Bundespräsident auf Vorschlag der Bundesregierung aus.)

1. Runde: Sollen gewöhnliche Polizeistreifen nur mehr mit nicht-tödlichen Waffen ausgestattet werden?

2. Runde: Soll § 188 StGB (Herabwürdigung religiöser Lehren) ersatzlos aufgehoben werden?

Finale: Sollen Bürgerinnen und Bürger ein Recht auf Vergessen-Werden gegenüber Behörden und Unternehmen haben?

 

Der Baker & McKenzie Debate Club findet jährlich in Kooperation mit der Anwaltskanzlei Baker & McKenzie statt. Ziel ist es, die Diskurskultur von talentierten Nachwuchsjuristinnen und -juristen zu fördern. Wir ermöglichen den besten und redegewandtesten Studenten aus den Fächern Rechtswissenschaften und Wirtschaftsrecht, ihr Argumentationstalent und ihre Rhetorikfähigkeiten unter Beweis zu stellen und zu verbessern. Mehr Informationen über aktuelle Karrieremöglichkeiten bei Baker McKenzie gibt es unter www.bakercareers.at

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