Göttlich debattieren: Der Rheingötter-Debattierwettstreit

Wer schon einmal bei einem Debattierturnier die teilnehmenden Debattantinnen und Debattanten am Finaltag in der Früh sah, dem hat sich dieses Bild sicherlich in die Netzhaut eingebrannt – Halbtote, Untote und Ringe unter den Augen, auf die der Planet Saturn neidisch wäre. Warum müssen die Debatten auch immer so früh angesetzt sein? Müssen sie nicht! Dies zu beweisen, hat der Debattierclub Bonn unternommen und war dabei erfolgreich. Gute Ideen für Konzept und Umsetzung des Turniers, viele Spitzenteams und interessante Themen waren das Rezept, das den ersten Rheingötter-Debattierwettstreit, zu dem der DC Bonn lud, zum Erfolg werden ließ.

Panorama des Rhein in Köln, von der Deutzer Brücke gesehen.

Rheingötter bei der Arbeit - der mächtige Strom von der Deutzer Brücke in Köln aus gesehen.

Zwei Teams und einen Juror schickte der Debattierklub Wien von der Donau an den Rhein: “Volk begnadet für das Schöne” mit Christoph Jäger, Florian Prischl und Leonhard Weese sowie “An der schönen blauen Donau” mit Karoline Lutz, Fabian Mühlböck und der Bonner Springerin Katharina Handke. Als Juror war Jakob Reiter dabei, der die ihm während und zwischen den Debatten geschenkte Aufmerksamkeit zwar sehr zu schätzen wusste, beim Rückflug aber doch meinte, Reden mache mehr Spaß.

“Volk begnadet für das Schöne” nahm ihre Ankunft am Freitagvormittag zum Anlass für eine Stadttour durch Köln, das wir beim Tilbury House Summer Open 2010 von der sonnigen, weltoffenen Seite kennen lernten. Wie sich herausstellte, definiert sich Köln als Stadt offenbar aber vor allem über den gewaltigen Dom und den wahrscheinlich ebenso gewaltigen Karneval.

Ein Stück rheinaufwärts liegt Bonn, die ehemalige deutsche Hauptstadt. Seit jeher als eine Art rothaariges Stiefkind der deutschen Teilung behandelt, hat Bonn seit der Verlegung jeglicher wichtigen Person nach Berlin versucht, sich ein neues Bild abseits von Beethoven und Birne zu geben. Und obwohl zwar fast jede Bar bereits um 2 Uhr nachts ihre Pforten schließt, konnten uns die gewieften Mitglieder des DC Bonn doch noch überzeugen, dort zu bleiben, indem sie uns Freitag Nacht in einen netten Heavy-Metal-Schuppen und Samstags in eine muntere Bar lotsten, wo die Party bis in den frühen Morgen lief.

Ansicht der Bonner Universität.

Die Donaugötter vor der Bonner Uni auf dem Weg zum Rheingötter-Debattierwettstreit.

Bis hier klingt ja alles nach einem normalen Debattierturnier. Zum Glück konnten wir aber Zeitplänen folgen, die sehr viel humaner waren als gewohnt – am Samstag begann das Turnier um 10:00 erst mal gemütlich mit Frühstück, am Sonntag ging es gar erst um 13:00 los. Der Einstieg ins Turnier lief am Samstag endlich einmal ohne langweilige Regeleinführung und sonstigen Firlefanz ab – stattdessen gab es prompt die Setzung und das Thema. Die erste Runde bestritten unsere Teams einmal als Regierung, aus der “Volk begnadet für das Schöne” gewinnen konnte, und einmal als Opposition, in der “An der schönen blauen Donau” leider eine Niederlage einstecken musste.  Die zweite Runde, eine historisch angelegte Debatte zum Thema “Soll Deutschland wiedervereinigt werden?” bestritten wir alle als freie Redner, die dritte wieder als Teams.

Nach diesen Vorrunden malten sich unsere beiden Teams kaum Chancen auf das Break aus. Um so erfreulicher war, dass Christoph Jäger als fraktionsfreier Redner das Break schaffte! Allerdings war er punktgleich mit Esther Reinert (Tilbury House Köln) und Willy Witthaut (DCGF Frankfurt). So musste also das Los entscheiden, und es entschied für Esther Reinert. Trotzdem konnten wir Christoph am Sonntag im Halbfinale hören, denn die Chefjuroren Gudrun Lux und Volker Tjaden entschieden kurzfristig, Christoph und Willy ebenfalls an den Halbfinali als vierte freie Redner teilnehmen zu lassen.

Drei der vier fraktionsfreien Redner in einem Halbfinale des Rheingötter-Debattierwettstreits.

Drei der vier fraktionsfreien Redner im Halbfinale des Rheingötter-Debattierwettstreits. v.l.n.r: Jana Gilke, Tom-Michael Hesse, Christoph Jäger.

Diese unkonventionelle Abweichung vom Protokoll tat dem Turnier gut, erinnerte Christoph doch die versammelten Deutschen zum Thema “Soll sich Deutschland die Austragung der Fußball-WM 2026 erkaufen?” an ihre höchste Heimniederlage im Fußball, die ihnen 1931 vom österreichischen Wunderteam zugefügt wurde (0:6).

Christoph Jäger als fraktionsfreier Redner im Halbfinale des Rheingötter-Debattierwettstreits.

Christoph Jäger als fraktionsfreier Redner im Halbfinale des Rheingötter-Debattierwettstreits.

Leider war im Halbfinale für Christoph Schluss; trotzdem sahen wir ein hochkarätiges Finale! Viele langjährige Debattierveteranen debattierten den ewigen Formatstreit zwischen BPS und OPD aus, und zum Schluss gewann die Regierung mit ihren Argumenten, ZEIT DEBATTEN nur mehr in BPS auszutragen, den Rheingötter-Debattierwettstreit. Herzliche Gratulation an Isabelle Loewe (DC Bonn), Benedikt Nufer (DC Hamburg) und Daniel Grotzky (DC München)!

Finale des Rheingötter-Debattierwettstreits

Das große Finale des Rheingötter-Debattierwettstreits.

Die Themen des Rheingötter-Debattierwettstreits:

  • 1. Vorrunde: Sollen wir Charter Cities bauen?
  • 2. Vorrunde: Wir schreiben den 10. November 1989. Soll Deutschland wiedervereinigt werden?
  • 3. Vorrunde: Sollen alle Arbeiter im Weinberg des Herrn den gleichen Lohn erhalten?
  • Halbfinale: Soll sich Deutschland die Austragung der Fußball-WM 2026 erkaufen?
  • Finale: Die Freien Redner verlassen den Raum und kommen nie wieder – sollen ZEIT DEBATTEN nur noch im Format BPS ausgetragen werden?

Details zum Turnierablauf inklusive Break sowie eine ausführliche Nachlese des Turniers findet ihr auf der Achten Minute.

Das Tab folgt hoffentlich in Kürze.

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