Aus dem Kuriositätenkabinett der Inns – Inner Temple IV 2011

Am 4. und 5. Februar 2011 fand in den Gemächern der Honorable Society of Inner Temple das Inner Temple IV statt. Zu dem kleinen, dafür äußerst feinem Turnier, schickte der DKW ein halbes Team als Composite Vienna – London. Hier ist der Bericht.

Aus dem Kapitel englische Kuriositäten, gehören “Inn of Courts” keinesfalls ausgelassen. Jeder der unter dem Reich der englischen Krone eine Karriere als “barrister” angehen möchte, sprich ein Rechtsanwalt der hauptsächlich vor Gericht steht, achtung, nicht zu verwechseln mit “solicitor” – weil, Rechtsanwalt ist ja nicht gleich Rechtsanwalt – muss einer solchen Inn beitreten. Diese verfügt alleinig über die Entscheidung einen Kandidaten als Rechtsanwalt (barrister) zuzulassen. In London hat man hat die Qual der Wahl zwischen vier Inns auswählen zu können: Honorable Society of the Inner Temple, Middle Temple, Lincoln’s Inn und Gray’s Inn. Die Qualität des Essens und des Weins soll das ausschlaggebende Kriterium in der Wahl seiner Inn sein, so habe ich mir sagen lassen. Was eine Inn denn so tut, konnte mir während meines Wochenendaufenthaltes an der Honorable Society of Inner Temple keiner wirklich beantworten. Fest steht, dass Inns noch Mitbringsel aus dem dreizehnten Jahrhundert sind, aus Zeiten als diese unabhängigen Vereine den Anwaltsberuf von dem der kirchlichen Obhut zu trennen versuchten. Unabhängig und statutenlos sind diese Vereine über die letzen 7 Jahrhunderte geblieben; Inns haben aus dieser Zeit nur wenig Dokumentation hinterlassen, unklar ist auch seit wann diese Inns Debattierklubs führen.

Man weiß, dass sie in den Anforderungen, welche an Anwälte während ihrer Lehr- und Ausbildungszeit gestellt werden, mitmischten, doch genaueres bleibt schwer durchschaubar. Heute agiert sie am am Besten in ihrer Funktion als Netzwerk für angehende Rechtsanwälte. Hier lernt man sich kennen, erfährt über die letzten Trends der Juristenszene und holt sich sämtliche Informationen über Rechtsanwaltsprüfungen und sonstige, für den Beruf ausschlaggebende Wissensstände ein. Nicht zuletzt hofft man selbstverständlich auch, dass die vielgefürchteten großen Tiere der Anwaltskanzleien hin und wieder auf Brautschau gehen. Debattiertuniere kommen da wie gerufen. Hier schlagen die angehenden Juristen aus der “innischen” Zwangsbeglückung Kapital und erfreuen sich an den Debattierklubs der Inns, nicht nur wegen des gesellschaftlichen Ereignisses, sondern verspricht man sich dort auch die hochgerankten Köpfe aus der Anwaltschaft und dem Gerichtswesen vorzufinden.

Gefördert von Blackstone Chambers fand am am 4. und 5 Februar, das Inner Temple IV in den Gemächern der Honorable Society of Inner Temple statt. Von dem klitze kleinen Anteil an nicht- britischen Teilnehmern (de facto war ich die einzige Teilnehmerin die nicht auf der Insel studierte), lässt sich schließen, dass dieses Turnier hauptsächlich für angehende britische Juristen ausgerichtet war. Direkt an der Themse gelegen, gleich bei Fleet Street, finden sich hier richterliche Räumlichkeiten mit angeschlossener Kirche aus dem 12ten Jahrhundert zusammen. Die Kirche ist übrigens auch ein zentraler Schauplatz aus dem Roman und gleichnamigen Film The Da Vinci Code. Die Dienstleistungen der Temple Church stehen ausschließlich Mitglieder von Inner Temple und Middle Temple zur Verfügung, demnach ein Privileg das nur Juristen zu Gute kommt. Die Aufforderung in formaler Bekleidung zu erscheinen, war bereits ein Indiz, dass es – für britische Verhältnisse, wohlgemerkt – sittlich vonstatten gehen würde. (Meine Worte sind wohl gewogen, denn unter ganz normalen britischen Verhältnis ist meist ein Abendausklang mit verbundenen Grölen, Bierrausch, womöglich auch Bodenwälzen gemeint.) Für den stolzen Preis von 65 Pfund pro Team wurde ein Wochenende lang das exquisiteste Büffet sowohl morgens als auch Abends serviert. Am Finalabend wurde in keinster Weise am Ausschank von hochkarätigen Weinen gespart, das diese tatsächlich schmeckten ist für britische Debattierkulturkreisen nun tatsächlich außergewöhnlich.

Die kleine Anzahl an teilnehmenden Teams brachte, trotz formaler Kleiderordnung, eine sehr familiäre Stimmung mit sich. Auch nach den Debatten blieb genug Raum und Zeit um ausgiebige Unterhaltungen zu führen. Besonders punktet Inner Temple IV mit seinen ausgezeichnete Juroren vorausgehend mit Alex Deane (Weltmeister 2004) und Jonathan Leader Maynard (Europameister und International Mace Champion 2009). Zusammen mit John Lee von der London School of Economics schlugen wir uns tapfer als Composite Vienna – London. Gratulation den Gewinnern von Inner Temple IV 2011, King’s College London, Daniel Berman und Jordan Anderson sowie den zwei besten Rednern im Tab John Ashborne und Williard Foxton.

Die Themen von Inner Temple IV:

Round 1. THW allow bed and breakfast proprietors to refuse the admission to whoever they like

Round 2. THW abolish the International Olympic Committee and {insert proposition}

Round 3. THW forcibly settle the Roma

Round 4. THW transfer the power of local and county councils to the new elected mayors of counties and major cities

Round 5. THW abandon the use of undercover police officers

Semifinal. THW grant asylum and immunity to dictators in return for them standing down and holding free and fair elections.

Floor debate (social). THW give prisoners the right to vote (Format: 90 Sekunden Reden)

Final. THW give Wikileaks protected host space on British Internet servers.